Rettet die Kur

In Kur gehen, eine Kur verordnet bekommen, Kuren, alles Begriffe, die mit heilen, pflegen, Rekonvaleszenz, das heißt gesundheitlicher Stabilisierung zu tun haben.

Die Kur hat in Deutschland eine Tradition wie sonst nirgendwo. Dabei haben sich verordnete Kuren von einer lukrativen Medizindienstleistung zu einer kriselnden Branche entwickelt. Im Zuge des Sparzwangs haben Rentenversicherungen und Krankenkassen  in den vergangenen drei Jahren immer mehr Kuranträge abgelehnt oder die Kurdauer verkürzt.

Gleichzeitig hat sich in den vergangenen Jahren die Einstellung der Versicherten zu Fehlzeiten und zur Kur als eine Art Urlaub stark gewandelt. Wer früher mitten aus dem Produktionsprozess heraus auf sein rechtes Knie oder auf seinen Rücken eine mehrwöchige Kur „beanspruchte“ und auch bekam, der hat heute eher Angst um seinen Arbeitsplatz. Zwischen 2000 und 2005 ist so die Zahl der Kurpatienten um gut 20% zurückgegangen. Die durchschnittliche Auslastung in den 1300 deutschen Reha-Kliniken ging von 90% Anfang der neunziger Jahre auf knapp 70% zurück.

Dabei geht der Trend längst weg von der konventionellen Heilkur hin zur Anschlussheilbehandlung unmittelbar nach einem Krankenhausaufenthalt. Medizinische Gründe hierfür sind der überstandene Herzinfarkt, die unmittelbar auf eine Krebsbehandlung folgende Stabilisierungsphase, die funktionellen Wiederherstellungsmaßnahmen nach Hüft- und Kniegelenksoperationen, krankhaftes Übergewicht und psychosomatische Krankheiten.

Finanziellen Zwängen folgend werden zunehmend Reha-Maßnahmen aus dem klassischen Kurbereich in ambulante Nachsorgemaßnahmen am Heimatort verlagert. Neben mancherlei Vorteil bleibt hierbei ein wesentlicher Aspekt des Kurens auf der Strecke: der Tapetenwechsel als Abschluss einer schweren Erkrankung, das pausierende Intervall in der Alltagswelt, die gezielte Auszeit an einem angenehmen Ort.

Dringend möchten wir daher plädieren für einen konstruktiven, individuellen Umgang mit der Kur. Was nützen die teuerste Kniegelenkprothese und der exzellenteste Operateur, wenn die ganzheitliche Nachsorgekur wegen Geldmangel auf der Strecke bleibt.

„Haltet den Dieb“ (der das Kurwesen zum Unwesen macht), aber bewahrt die ehrliche Kur als Heilungschance!

Tags »

Autor:
Datum: Montag, 27. Juli 2009 9:15
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Allgemein

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Kommentare und Pings geschlossen.

Keine weiteren Kommentare möglich.